My Fitness-Journey Part IV – My Family

Hallo meine Lieben,

da ich momentan meine mündlichen Prüfungen habe und dafür wirklich viel lernen musste, hatte ich bisher keine Zeit, weiter an meiner Story zu schreiben. Ich habe viel positives Feedback von Einigen bekommen und möchte mich zunächst einmal dafür bedanken! Es ist wirklich schön, dass meine Texte Leute berühren und sie inspirieren, ihnen vielleicht sogar helfen!

Wie ich bereits geschildert habe, ist mir im Sommer 2013 endlich mal klar geworden, dass etwas bei mir gewaltig schief läuft. Sich selbst auf realistische Weise zu entdecken ist meiner Meinung nach der wichtigste und vielleicht auch schwerste Schritt, um auf den Weg der Besserung zu gelangen. Jedoch ist es auch nur der erste und vergleichsweise kleine Schritt zu einer gesunden Einstellung zu seinem Körper.

Schon während der Freizeit habe ich beschlossen, mich jemandem aus meiner Familie anzuvertrauen und um Hilfe zu bitten: Meinem Bruder! Für mich war er immer ein Vorbild, ich hab mich versucht, an ihm zu orientieren (bezüglich Fitness) und habe ihn sehr bewundert. Was ich auch heute noch tue, er ist nunmal mein großer Bruder!:)

Leider kam alles anders. Als ich nach zwei Wochen zurückkehrte, sah ich wirklich schlimm aus. Ich hatte zusätzlich bestimmt einige Kilos abgenommen, ja, ich sah vermutlich schrecklich schwach aus. Als meine Mutter mich dann sah, ist sie vor lauter Sorge schier durchgedreht. Da dieser Abschnitt nun wirklich sehr privat und für mich noch immer ein sehr sensibles Thema ist, möchte ich das Ganze nicht näher erläutern.

Nach einem Gespräch voller Tränen, Drohungen, Verzweiflung und Hysterie waren die Fronten verhärtet. Ich war wütend, hatte Angst vor der Gewichtszunahme, war enttäuscht über ihr mangelndes Verständnis, war trotzig und unglaublich unsicher und traurig, weil ich auf diese Weise entblößt wurde und mich nicht so öffnen konnte, wie ich es geplant hatte. Meiner Ma ging es vermutlich nicht besser. Bis heute werfe ich mir das vor, auch, weil sie damals wieder mit dem Rauchen anfing, woran ich mir die Schuld gebe…

Ich lebe alleine mit meiner Mutter und es war schon oft schwierig Doch jetzt startete ein regelrechter Kampf.. Nicht bloß zwischen ihr und mir, sondern auch IN mir. Wie konnte ich nur ihre und meine Erwartungen vereinbaren? Wie konnte ich gleichzeitig zunehmen und „gut“ aussehen. Wie sollte ich es meiner Familie sagen, wie, wie …??

Tausende Fragen schwirrten ständig durch meinen Kopf, mein Vertrauen in mich war tief erschüttert, ich wusste weder ein noch aus. Ich hatte Angst, zuzunehmen, ich hatte Angst, ernsthaft krank zu werden. Ich hatte Angst, mich meiner restlichen Familie zu offenbaren, ich hatte Angst vor dem Alleinesein. Ich hatte Angst vor dem Essen, hatte Angst, mich bloßzustellen, hatte Angst, von meiner Mam bloßgestellt zu werden. Wenn ich daran denke, wie ich mich in ständigem Konflikt mit mir selber befand, wie ich mich damals gefühlt habe, kommen mir heute noch die Tränen.

Am schlimmsten aber war, dass meine Mutter und ich vollkommen das Vertrauen ineinander verloren hatten. Sie beäugte mich ständig, ich mied es, vor ihr zu essen. Sie versuchte, mich dazu zu zwingen, „ungesunde“ Sachen zu essen. Jeden Tag musste ich mich vor ihr mehrmals wiegen, Sport machte ich heimlich. Sie nahm mir meine Laufschuhe und ich brach in zornige Tränen aus. Meine Verzweiflung war mindestens genauso riesig wie die Ihre. Ständig stand ich unter Stress.. Es war, als würden wir uns eine Bombe hin- und herwerfen, die jeden Moment explodieren könnte.

Dieser Absolutismus, mit dem sie mich „gesund“ machen wollte, war der völlig falsche Ansatz. Eine Person in meiner damaligen Lage ist psychisch sehr labil, bei den kleinsten Missverständnissen oder unglücklich gewählten Worten kann die Situation schrecklich eskalieren. Essen und jegliche Konversation über Nahrung sind Stress pur, so bescheuert es sich anhört.

Ich möchte euch an dieser Stelle die langwierigen Schritte hin zur Selbsterkenntnis, zur langsamen Besserung des Verhaltens und so weiter ersparen. Aber es gab einige Dinge, die mir wirklich sehr geholfen haben:

Zunächst war da mein Vater, der zwar sehr besorgt und auch verzweifelt war und mich ebenso wenig wiedererkannte wie meine Mutter (körperlich wie charakterlich), aber nicht wie sie völlig überreagierte. Er ließ mich Vieles erklären, hörte mir zu, versuchte zu verstehen, welchen Weg ich für mich wollte. Auf gesunde Art zuzunehmen, Muskeln aufzubauen. Er unterstützte mich, kaufte mit mir ein, aß mit mir, setzte mich nicht unter Druck, fragte nur ab und zu, ob ich zugenommen hätte. Er war einer der ersten Menschen, für die ich mich unbedingt wieder ändern wollte.

Da ich ihn nicht allzu oft besuchte, waren diese Tage der Entspannung, die ich bei ihm verbrachte recht rar, trotzdem halfen sie mir!

Ein weiterer Faktor war mein Kinderarzt. Seit ich mich erinnern kann, hat er mich behandelt. Er ist ein unglaublich guter Homöopath und ein ruhiger Mensch, dem man auf Anhieb vertraut. Meine Mutter schickte mich zu ihm und bat ihn um Rat. Zwar stand auch für ihn außer Frage, dass ich mindestens 5 kg zunehmen musste, jedoch brachte er mich zur Einsicht, dass dies das Richtige sei! Ich reagierte nicht wie sonst ablehnend sondern verstand immer mehr, dass meine ausbleibende Periode, meine kalten Beine und Oberarme, meine Gefühlsausbrüche und meine fehlende Motivation Zeichen waren, dass mein Körper ernsthaft unterernährt waren.

Schon komisch, dass mir das nicht vorher klar war.. Ich glaube sogar, dass ich durchaus die Verbindung der Symptome zu einer falschen Lebensweise knüpfte, das aber gleichzeitig verdrängte. Im Übrigen war es ein Segen, dass mein Hausarzt versuchte, auf mich einzugehen Er stellte mir eine Lebensmittelliste zusammen, mit kalorienreichen aber gesunden Lebensmitteln, die mir helfen sollten, zuzunehmen. Er gestattete es mir, Sport zu treiben, wenn auch nur moderate workouts, in keinem Fall Ausdauertraining.

Ich muss zugeben, ich hielt mich anfangs kaum daran, vorallem nicht an das Sportgebot. Trotzdem gab mir all das Orientierungspunkte und mein Entschluss zuzunehmen wurde unheimlich bekräftigt. Bis mein Verhalten, insbesondere mein (tägliches) Sportprogramm, gemäßigte Ausmaße annahmen, dauerte es noch ein weitere Jahr.

Auch meine Ma beruhigte sich nach und nach. In den Ferien vertraute sie mir das Kochen an, kaufte alles, was ich gerne aß und ließ mich unsere Mahlzeiten zubereiten. Wir aßen wieder zusammen und zeitweise entspannte sich die Lage. Dadurch, dass sie mir zeigte, dass sie mir wieder etwas vertraute, begann auch ich, allmählich wieder Vertrauen zu fassen.

So, das reicht mal wieder! Beim nächsten Mal werde ich noch einmal zusammenfassen, wie sich alles besserte und was mir bis zum heutigen Tag auf meinem Weg geholfen hat, auch als Hilfestellung für Betroffene oder Angehörige.

Ich denke, es ist bereits ersichtlich, dass Vertrauen und Verständnis die Basis sind, auf der die restliche Genesung aufbauen.

Nun habt noch einen schönen Tag!

Love, Calli♥

P.S.: Ich habe außerdem die Fotos von damals durchgeschaut um einmal zu zeigen, wie dünn ich damals war, bzw. wie ich abnahm. Das Bild ist von der Freizeit, als ich mein niedrigstes Gewicht hatte.

Sommerfreizeit 2013 (625)